Oestrich-Winkel. (sf) -
15 kleine Hunde wuselten am Sonntag über die Pfigstbachwiesen und
versetzten schier jeden Spaziergänger in Verzücken. Die Welpen
im Alter von zwölf Wochen bis fünf Monate gehören zur mittlerweile
selten gewordenen Rasse der Deutschen Wachtelhunde und waren ,,Gäste"
des ersten Rheingauer Welpenspielfestes, das der Oestrich-Winkeler Revierförster
Nikodemus veranstaltet hatte.
Nikodemus züchtet selbst seit einiger Zeit den Deutschen Wachtelhund
in seinem Zwinger ,,von der Balthasarley". Um das Sozialverhalten
der Hunde im Rudel auch nach der Trennung von der Mutter zu fördern
und ,,die Hundesprache zu vervollständigen", hatte sich Nikodemus
das Welpenfest einfallen lassen und war auf großes Interesse bei
zwei Züchtern aus dem Taunus und zahlreichen Jagdfreunden aus ganz
Hessen gestoßen. 20 Hundefreunde, darunter der Hessische Obmann
des 1903 gegründeten, 380 Mitglieder starken Vereines für
Deutsche Wachtelhunde Michael Heyer, waren mit ihrem Tieren gekommen.
Gemeinsam mit Gastgeber Nikodemus und den beiden Züchtern Jochen
Raus aus Kelkheim und Ingrid Wenz aus Selters informierte Heyer die
Besucher über Zucht, Ausbildung und Umgang mit den Wachtelhunden.
Der Deutsche Wachtelhund ist ein kräftiger, mittelgroßer,
langhaariger Stöberhund, der ausgewachsen eine Schulterhöhe
um 50 Zentimeter aufweist, Hündinnen sind etwas kleiner, Rüden
etwas größer. Das Fellhaar variiert von glatt anliegend über
leicht gewellt bis kurz gelockt und kann braun sein, seltener auch fuchs-
bis hirsch-rot, gelegentlich mit kleinen weißen Abzeichen an Brust
und Pfoten. Auf den Pfingstbachwiesen waren Exemplare aller Farbe und
Felltypen zu bewundern.
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Die Zucht des Wachtelhundes erfolgt grundsätzlich getrennt nach Farbschlägen,
mit ursprünglich auch unterschiedlichen Eigenschaften. Die Braunen
waren die eher kürzer jagenden, grobzelligeren Hunde, die Braunschimmel
die feinzelligen Weitjäger. Diese Unterschiede haben sich im Laufe
der Jahrzehnte verwischt, da aus verschiedenen Gründen beide Stämme
miteinander gepaart wurden. Die heute noch praktizierte getrennte Zucht
nach Farbschlägen dient mehr dem Erhalt wenig miteinander verwandter
Linien", so Heyer. In Deutschland würden jedes Jahr rund 700
Welpen, im Ausland weitere 600 geboren. Die Zucht sei konsequent auf Gesundheit
und Leistung ausgerichtet, erläuterten die drei anwesenden Züchter.
Die seit 1966 bestehende Zuchtordnung schreibe vor, daß die zur
Zucht verwendeten Hunde auf einer Zuchtprüfung mindestens gute Anlagen
nachweisen müssen. Sie dürften keine körperlichen Wesensmängel
haben und müssen dem Rassetyp entsprechen. Bei allen Zuchthunden
werde der Grad eventuell vorhandener Hüftgelenksdysplasie röntgenologisch
festgestellt und ausgewertet und anschließend in ein Zuchtwert-Schätzverfahren
eingebracht.
Durch sein ausgeglichenes und gegenüber fremden Menschen freundliches
Wesen eigne sich der Wachtelhund neben der Zwingerhaltung besonders
für die Haltung im Haus mit Familienanschluß, erzählte
Familienvater Nikodemus. Doch die temperamentvollen, außerordentlich
passionierten Jagdhunde bräuchten reichlich Bewegung, möglichst
bei jagdlichem Einsatz. ,,Die in der Jugend oft ausgeprägte Passion
muß durch konsequente Abrichtung rechtzeitig in die richtige Bahn
gelenkt werden. Deshalb ist der DW als reiner Familien-hund für
Nichtjäger ungeeignet, erklärt er. Der Wachtelhund sei der
Hund des Waldjägers und in reinen Waldrevieren, im deckungsreichen
Gelände und bei der Wasserjagd sei er der ideale Jagdhelfer. Der
vielseitig veranlagte Rassehund sei bei Bedarf leicht zu spezialisieren
und damit gerade unter heutigen Jagdverhältnissen der Jagdhelfer
schlechthin.
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Doch von Haus aus ist der Wachtelhund Solojäger und damit für
die Jagd in der Meute nicht geeignet. Gerade deshalb sei es so wichtig,
daß Sozialverhalten der Hunde schon in der "Kinderstube"
zu fördern. Aus diesem Grund traf man sich am Sonntag mit mehreren
Hundebesitzern, um den Tieren die Möglichkeit zu geben, sich ausgiebig
zu beschnuppern, miteinander zu spielen und zu ,,komrnunizieren",
denn gerade das hätten viele Hunde heutzutage verlernt. Wenn sie
von ihrem Müttern getrennt werden, haben sie kaum noch die Möglichkeit,
die "Hundesprache" zu vervollständigen,
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deshalb kommt es zwischen Hunden, die sich an der Leine
kurz begegnen zu "Missverständnissen", zum Anknurren und
zu Beißerein.
Die Wachtelhund-Welpen hatten an dem eigens für sie veranstalteten
Fest sichtlichen Spaß und spielten fröhlich miteinander. Auch
einen Spaziergang in den Wald unternahmen die Hunde mit ihren Herrchen
und schließlich durften sie auch ins Wasser, was die kleinen Ehrengäste
bei sommerlich heißen Temperaturen sehr genossen. Doch natürlich
kamen auch die Menschen beim Welpenfest nicht zu kurz. An Tischen und
Bänken saß man am Waldrand gemütlich beisammen und genoß
das mitgebrachte Picknick.
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