ABSCHIED

 
   
 

Das erste unserer "Kinder" war unser Dalmatinermädchen Nixe, später kamen zwei Menschenkinder dazu, denen sie ein geduldiger Spielkamerad war. Obwohl nicht aus einer FCI-Zucht, war sie robust und wesensfest. Sie hatte auch mal Welpen - wir hatten damals vom "Züchten" echt null Ahnung, aber Nixe machte das alles alleine. Im Alter von 8 Jahren musste ich mitansehen, wie Sie von einem Auto überrollt wurde, unser Tierarzt konnte ihr nicht mehr helfen. Sie wollte zu mir kommen und lief genau vor das Auto. Ich gehe davon aus, dass sie nicht mehr richtig hören konnte (typische Dalmatinerkrankheit), sonst wäre das nicht passiert.
Sie musste viel zu früh von uns gehen !

Aber sie hat mich sensibilisiert, mich für Hundeverhalten, Zucht und Erbkrankheiten zu interessieren und mich weiterzubilden, anstatt in Trauer zu ertrinken, und den Blick nach vorne zu richten.

Wenn ich darüber nachdenke, wer noch alles an anderen Ende der Regenbogenbrücke auf mich warten wird, denke ich zuerst an unsere erste Wachtelhündin Gabi. Sie war ein Hund, wie man ihn nur einmal in einem ganzen Leben findet. Sie war geliebtes Familienmitglied, Freund unserer Kinder, ein überdurchschnittlicher Jagdhund, eine Zuchthündin wie man sie sich nur wünschen kann, sie war praktisch nie krank und wurde fast 15 Jahre alt. Sie hat viele erfolgreiche Nachkommen in die Zucht gebracht, so dass sie heute in vielen Ahnentafeln vorkommt, wenn auch teilweise nicht mehr sichtbar. Bei Ihren Kindern, Enkeln, Urenkeln usw. kommen Ihre Eigenschaften wieder zum Vorschein, aber keiner ist genau wie sie - Gabi war einmalig ! Sie bleibt in unserer Erinnerung unvergessen. Ihre schlechten Eigenschaften (wer hat keine?) verblassen im Laufe der Zeit, das Gute bleibt in Erinnerung.

 

Als sie von uns gehen musste, war es trotz ihrem hohen Alter unerwartet und schmerzlich. Wir haben alle geheult und sie dann an einem vertrauten Platz begraben. So schwer es auch sein mag, man muss auch einen guten Freund loslassen können, wenn die Zeit gekommen ist. Krampfhaft festhalten wollen ist Egoismus.

Gabi soll hier stellvertretend stehen für alle Wachtelhunde, die früher oder später von uns gegangen sind, auch die uns nur einen Teil ihres Lebens begleitet haben und nicht mehr sind. Wollte ich alle aufzählen, würde das hier den Platz sprengen und mich zu viele neue Tränen kosten.

Aber vor einem habe ich Angst, wenn ich eines Tages selbst über die Regenbogenbrücke gehen muss: Wenn mich alle genauso begeistert begrüssen wollen, wie im diesseitigen Leben, und jeder möglichst der erste sein will, dann rennen die mich glatt über den Haufen. Hoffentlich fallen wir dann nicht vom Regenbogen und gibt es keine Raufereien.

Heute gehören zu unserer Familie noch eine Tochter, Enkelin, Urenkelin und Urururenkelin von Gabi. Ob es aber noch mal weitere Nachkommen in dieser Linie geben wird, steht in den Sternen. Dagegegen ist schon abzusehen, dass unser Rudel immer kleiner wird, und bald die nächste von uns gehen muss. Ob es noch Wochen oder Monate geht, weiss niemand, und wir können nichts weiter tun, als ihr die verbleibende Zeit mit uns so angenehm wie möglich zu gestalten.

So schwer es auch sein mag, man muss auch einen guten Freund loslassen können, wenn die Zeit gekommen ist.

Im Dezember 2004


 

 

Heute am Hubertustag ist es genau vier Wochen her, dass unsere Hera, eine Urenkelin von Gabi, nach langer schwerer Krankheit über die Regenbogenbrücke gehen musste - dabei war sie doch die jüngste aus unserem "Altersheim".

Sie war immer freundlich und geduldig und hat bis zuletzt mit ihrem geliebten Fußball gespielt. Obwohl wir seit über einem Jahr wussten, dass sie bald von uns gehen muss, kam es uns wie ein Wunder vor, als sie im Februar noch ihren 10. Geburtstag erreichte. Und wenn es dann so weit ist, tut es dann doch sehr weh, wenn man dem Hund in die Augen schaut und kann ihm nicht mehr helfen.

In unserer Erinnerung lebt sie jedoch weiter, die vielen schönen Stunden, und in ihren Nachkommen.

 

3. November 2005

 


 

Fast 16 Jahre hat sie uns begleitet - am 09.04.2006 wäre ihr Geburtstag gewesen -
sie hat es nicht mehr ganz bis dahin geschafft.

Die letzte Tochter von unserer Gabi, unsere kleine quirlige Laika, wurde älter als ihre Mutter,
älter als ihre sämtlichen Geschwister und auch ihre Kinder aus dem ersten Wurf sind nicht mehr.

Das Aufstehen fiel ihr immer schwerer, aber noch am letzten Tag hat sie in der Frühlingssonne einen Rundgang gemacht, den Hof und den Garten inspiziert, ihre Hundefreunde begrüsst, bevor wir für immer Abschied nehmen mussten.

Ihr Bellen wird mir fehlen, aber die Erinnerungen bleiben, wir haben viel zusammen erlebt.

So wird unser Rudel immer kleiner, nur Laika's Nichte Dela - die sie zeitlebens nicht besonders
gemocht hat - ist noch übrig von der alten Familie, aber auch sie ist nicht mehr jung. Hoffentlich bleibt sie uns noch einige Zeit erhalten, denn auch wenn wieder ein junger Hund im Haus ist, bleibt eine Lücke,
wenn ein geliebtes Familienmitglied gehen muss.

 

Im April 2006


 

Nun mussten wir auch von unserer Dela Abschied nehmen  -
sie erlitt vor zwei Tagen einen Hirnschlag, von dem sie sich nicht mehr erholt hat.

Im August wäre sie 15 Jahre alt geworden.

Unseren "Ausbrecherkönig" weden wir nie vergessen, zuviel haben wir zusammen erlebt.

Zeitlebens hatte sie bei íhren Eskapaden 7 Schutzengel. Noch vor kurzem machte sie einen unerlaubten Jagdausflug und war froh, als sie wieder eingesammelt wurde.

Mit 12 Jahren ging sie noch mit zum Stöbern, aber dann fiel es ihr doch zu schwer. Langsam wurde sie immer gebrechlicher und war froh Ihre Ruhe und ihre Gewohnte Umgebung zu haben. Trotzdem genoss sie den letzten Urlaub im März mit ihren Menschen und ihren Hundefreunden.

Aber nun war ihre Uhr endgültig abgelaufen und sie ruht jetzt in der Nähe Ihrer Weggefährten.

Ende Juni 2007

 


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