Herkunft

Appenzeller Wachtelhund ?

Gedanken zur Herkunft unserer Hunderassen

Über die Herkunft unserer heutigen Hunderassen wurde schon viel spekuliert und geschrie-ben. Allgemein wird heute davon ausgegangen, daß der Wolf der Stammvater aller Hunde sei, es gibt aber auch Meinungen, daß sich Hunde und Wölfe aus einer älteren Stammform nebeneinander zu den heutigen Formen entwickelt haben. Diese These muß man genauso gelten lassen, solange nicht das Gegenteil bewiesen ist.


Im Grunde wissen wir über die Entwicklungsgeschichte der Hunderassen soviel wie nichts . Für die zweite These spricht auch, daß bereits bei sehr frühen menschlichen Ansiedlungen aus der Steinzeit Knochen von Hunden gefunden wurden. Abbildungen von Hunden finden sich in Darstellungen aus sehr alten Kulturen. So scheinen Hunde schon seit frühester Zeit der Menschwerdung sich in deren Nähe aufgehalten zu haben und sind frühzeitig zu deren Begleitern geworden, aus welchem Grund auch immer.


Saurüde (nach  Fleming, 1719)
Saufinder, Hirtenhund (nach Fleming, 1719)
"Saurüde" (nach Fleming, 1719)
"Saufinder", Hirtenhund (nach Fleming, 1719)

Unter dem Hintergrund, dass domestizierte Haustiere wie Ziegen, Schafe, Rinder etc. erst viel später auftraten, als die Menschen langsam seßhaft wurden, steht auch die Domestikations-Theorie auf wackeligen Füssen. Funde von Hundeknochen existieren aus einer Zeit, als die ersten Menschen noch nicht über die entsprechenden Möglichkeiten verfügten, Wildtiere gefangen zu halten und zu zähmen.
Auch Menschengruppen, die heute noch "wie in der Steinzeit" als Sammler und Jäger leben,

haben keine domestizierten Haustiere
- aber! -
Hunde als Begleiter.

   

Eine gezielte Hundezucht in Europa wurde vermutlich an einigen Fürstenhäusern begonnen, um besonders gute Hunde für die Jagd zu bekommen. Es ist bekannt, dass besonders wertvolle Tiere (z.B. Windhunde oder edle Pferde) als Geschenk zwischen Fürstenhäusern ausgetauscht wurden und so auch in andere Länder kamen. An Fürstenhöfen wurde oft eine große Anzahl von Hunden für die Jagd gehalten. Auch Schoßhunde wurden gehalten, wie aus alten Gemälden zu entnehmen ist.


Der einfachen Bevölkerung waren diese "edlen" Hunde nicht zugänglich. Die Hundehaltung insgesamt war im Mittelalter oft von strengen Gesetzen eingeschränkt, da auch die Jagd ein Privileg der Herrschenden war. Trotzdem war die Hundehaltung weit verbreitet und umfasste vorwiegend Hütehunde und Wachhunde.

Wasserhund (nach Fleming, 1719
Dantzicker Bährenbeißer (nach Fleming, 1719)
"Wasserhund" (nach Fleming, 1719)
"Dantzicker Bährenbeißer" (nach Fleming, 1719)

Von einer gezielten Zucht im heutigen Sinne kann hier nicht die Rede sein. Während im vorderen Orient und in Teilen Asiens bis in die heutige Zeit Paria-Hunde überwiegen, d.h. eine frei in der Nähe der Menschen lebende Population, die sich ohne Einwirkung des Menschen beliebig paart, hatte der Mitteleuropäer das Bestreben, von seinen Tieren Besitz zu ergreifen und Ihre Bewegungsfreiheit einzuschränken. Es gab zwar zu jeder Zeit mehr oder weniger ungewollte Mischlingswürfe, aber Hunde, die sich für den jeweiligen Zweck besonders eigneten, wurden gezielt gepaart. Das Aussehen spielte dabei eine unterge-ordnete Rolle. Nur die besten wurden behalten, was nichts taugte wurde ausgemerzt, denn unnütze Fresser konnte sich damals niemand leisten

Durch diese Art der Auslese wurden sich die Hunde in einer Region im Laufe der Zeit immer ähnlicher - im Verhalten, das dem in dieser Region üblichen Einsatzzweck entgegenkam - im Körperbau, der für diese Verwendung am besten geeignet war - ebenso wie im Aussehen (Farben), da infolge Gendrift z.B. einzelne Farbgene verloren gingen und andere fixiert wurden. Dazu beigetragen hat auch, daß der einfachen Landbevölkerung dieser Zeit weite Reisen nicht möglich waren. So entstanden in verschiedenen Regionen unterschiedliche Landschläge, auf deren Grundlage die heutigen Rassen aufgebaut wurden.

In diesem Zusammenhang ist interessant, dass in verschiedenen Regionen dennoch ähnliche Schläge entstanden. Man beachte z.B. die Herdenschutzhunde aus verschiedenen Berg-regionen, für die große weiße langhaarige Hunde bevorzugt wurden.


Stöberhund (nach Fleming, 1719)
Saubeller (nach Fleming, 1719)
"Stöberhund" (nach Fleming, 1719)
"Saubeller" (nach Fleming, 1719)

Die moderne Hundezucht entstand im 19. Jahrhundert. Sie steht im Zusammenhang mit dem Fall der Fürstenhäuser und dem Aufkommen des Bürgertums und der damit verbundenen weitgehenden Liberalisierung. Nun war die Hundehaltung jedermann möglich. Die Bürger begannen sich für verschiedene Hunde zu interessieren.

Der typische Mittel-Europäer konnte aber auch in der neuen Freiheit nicht seine Neigung ablegen, alles zu reglementieren. So begannen Gleichgesinnte Vereine zu gründen, legten fest, wie ein bestimmter Hund auszusehen hat, suchten nach einem passenden Rasse-Namen und erfanden weitreichende Reglements für die Zucht.

Seit dieser Zeit - also seit ca. 100 Jahren - (nur wenig Zuchtvereine sind ein bischen älter) kann man von einer planmässigen Rassehundezucht sprechen, zumal auch die Kenntnisse über die Vererbungslehre langsam bekannt und angewendet wurden. Seit diese Zeit bestehen für die heutigen anerkannten "Rassen" offizielle Zuchtbücher und Abstammungs-nachweise können erstellt werden.
Zukunftsaussichten s.u. !


Unter Berücksichtigung dieser Entwicklung ist es weder zwingend zu behaupten noch absolut zu verneinen, daß die zwischen den Abschnitten gezeigten Hunde aus alten Abbildungen unter den Vorfahren einer bestimmten Rasse zu finden sind.
(Ähnlichkeiten sind beabsichtigt)

verschiedene Hunde
Deutscher Wachtelhund

Appenzeller Sennenhund

Wachtelhund  (um 1880)
Sennenhund (um 1880)

Diese Abbildung (um 1880) zeigt schon den Typ des einfarbig braunen Wachtelhundes ähnlich den Hunden, mit denen die Reinzucht begonnen wurde

Dieses Bild (um 1880) trug die Beschreibung "Bernhardiner" , zeigt aber eindeutig einen langhaarigen Berner Sennenhund - während der Appenzeller zu den Kurzhaar-Sennenhunden gehört.
Lord-Augusta 1834 L
Blitz Rinkenbach
"Lord Augusta 1834 L"
"Blitz Rinkenbach"

Sonstiges

Während der Hund in den monotheistischen Hochreligionen als "unreines" Tier betrachtet wird und eine niedere Stellung inne hat, nimmt er in den Mythen vieler Naturvölker auf der ganzen Welt eine wichtige und positive Stellung ein, er ist Freund und Helfer des Menschen und Mittler zu den Göttern.

Hierzu hat mir besonders eine Erzählung aus dem indianischen gefallen, bei der ich meinte, eine heutige aber noch urwüchsige Rasse wiederzuerkennen, und die ich an dieser Stelle wiedergeben möchte:

. . . die etwas andere "Schöpfungsgeschichte" . . .

Wer sich mehr für diese Thematik interessiert, dem empfehle ich, das Buch zu lesen, aus dem der Text entnommen wurde.


Zukunftsaussichten

wie geht es weiter mit unseren "Rassehunden" ?


Sind unsere heutigen Hunderassen noch zu retten ? Böse Zungen behaupten, daß sich die "Sünden" der modernen Hundezucht in dem Auftreten immer neuer Erbkrankheiten zeigen und daß eine Rasse mit 100 Jahren nach den bestehenden Zuchtpraktiken so krank und degeneriert ist, daß sie vom Aussterben bedroht wird.

Die Zucht der meisten Rassen wurde mit wenigen Individuen begonnen, durch Inzucht aufgebaut, hartnäckig an der Linienzucht festgehalten und auch heute noch wird im weitesten Sinne "Engzucht" betrieben. Dabei sind die Warnungen der Populationsgenetiker durchaus ernst zu nehmen. Wie groß ist die genetisch effektive Population einer Rasse ? Was wird getan, um die genetische Vielfalt einer Rasse zu erhöhen ? Diese und weitere Fragen muß sich jeder Zuchtverein und jeder verantwortliche Züchter stellen.

Dabei muß mit bestehenden Vorurteilen aufgeräumt werden. So sind nicht bestimmte Zucht-Methoden gut oder schlecht, sondern ihre Anwendung in einer bestimmten Situation. (Beispiel: Inzucht erzeugt keine Erbkrankheiten, sondern erhöht erheblich die Wahrschein-lichkeit, dass solche auftreten) Deshalb müssen Risiken und Vorteile einer Zuchtmethode bzw. einer bestimmten Verbindung gut - aber sachlich - gegeneinander abgewägt werden. Dies ist nur möglich, wenn sich Züchter und Funktionäre regelmäßig weiterbilden.

Die teilweise berechtigten Vorwürfe sind kein Grund, die heutige Rassehundezucht zu verteufeln und totzusagen. Diejenigen, die außerhalb der heute doch recht strengen internationalen Gesundheits- und Zuchtvorschriften Hunde "vermehren"(ob mit oder ohne Absicht), sind noch viel schlimmer und geben der Verbreitung von Erbkrankheiten ungehindert Vorschub. Eine unabhängige Hundepopulation, die sich ohne Zutun des Menschen paart und vermehrt ist in unserer heutigen Gesellschaft nicht mehr denkbar.

Soweit die Zuchtvereine für Rassehunde den heute eingeschlagenen Weg der Zuchtplanung und Vermeidung von Erbkrankheiten weiter verfolgen, ist noch nichts verloren ! Dabei sollten sie jedoch offen sein für neue Erkenntnisse aus der Forschung, bereit sein, überzogene Standards zu korrigieren, zu enge Zuchtvorschriften, die nicht gesundheitsrelevant sind (z.B. Farbfehler oder geringe Zahnfehler) zu revidieren, und unter Umständen auch einmal die gezielte Paarung mit verwandten Populationen oder ähnlichen Rassen zu überdenken.

Alles, was dazu beiträgt, die genetische Vielfalt unser Hunderassen zu erhöhen, dient der Gesundheit unser Hunde. Hierzu kann auch der einzelne Züchter beitragen, indem er davon abgeht, nur Champions und Prüfungssieger einzusetzen, sondern auch mal deren weniger erfolgreiche Brüder als Deckrüden nimmt, seine Hündin mit wechselnden Partnern paart und auf Gesundheitskontrolle und geringe Verwandschaft achtet.

Aber auch jeder Hundebesitzer sollte dazu beitragen - auch wenn er eigentlich nicht züchten wollte - indem er seinen Hund ausstellt, auf Prüfungen führt , die gesundheitsrelevanten Untersuchungen machen läßt und die entsprechenden Daten dem Zuchtverein zur Verfügung stellt. Vielleicht läßt sich dann doch der eine oder andere gute Hund zusätzlich für die Zucht gewinnen, um die Basis zu verbreitern. Zur Zeit gehen leider zu viele gute Hunde nur durch die Bequemlichkeit der Besitzer für den Genpool einer Rasse verloren.


Rasse - Herkunft Zucht abzugeben AS-Deckrüde
DW-Hunde Entwicklung gefunden AS-Hunde
DW-Welpen Ziele   vermisst AS-Welpen
DW-Standard REGENBOGENBRÜCKE bereits vermittelt AS-Standard

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